Blockchain

Sind digitale Wertpapiere die Rettung für den Mittelstand?

Die Corona-Maßnahmen zur Eindämmung der Ansteckungsgefahr mit dem neuen Virus haben wirtschaftliche Nebenwirkungen. Die Gefährdung mittelständischer Unternehmen durch hohe Umsatzeinbußen trifft bestimmte Branchen besonders stark. Dazu zählen unter anderem Reise- und Transportunternehmen, Gaststätten, Sportveranstalter und kulturelle Einrichtungen. Nur in begrenztem Maße werden die Einbußen durch Hilfspakete abgefedert. Wie können mittelständische Unternehmen ihre Liquidität bewahren oder neue Geschäftsideen finanzieren? Digitale Wertpapiere mit Absicherung über die Blockchain-Technologie bieten hierzu interessante Lösungsansätze.

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Blockchain punktet mit zunehmender Seriosität

Die Technologie der Blockchain ist bisher bei vielen Personen nur in Verbindung mit Kryptowährungen bekannt. Einzelne Coins der jeweiligen Währungen werden als unfälschbare, unveränderbare, einzigartige Datenblöcke in der Blockchain gespeichert. Mit Verbreitung der Technologie und zunehmender Seriosität der damit verbundenen Angebote ist ein politisches Interesse an der Verwendung von Blockchains erwacht. Ausschlaggebend dafür ist die hohe Fälschungssicherheit der Datensätze, die sich quasi selber organisieren und mit bestimmten Berechnungen leicht überprüfbar sind. Die Daten auf einer Blockchain lassen sich bei Bedarf verschlüsselt ablegen – so bleiben sie geschützt. Trotzdem kann die Echtheit der Datenkette weiterhin zu jeder Zeit verifiziert werden.

Stabilität des Finanzsektors wird durch Blockchain gestärkt

Die Blockchain wird heute als ein Stabilitätsgarant des Finanzsektors angesehen. Wer die Blockchain-Strategie der Bundesregierung verfolgt, wird dort auf eine echte Goldgräberstimmung stoßen. Im Herbst 2019 wurde ein Gesetz verfasst, welches der Blockchain ein breites Wirkungsfeld einräumt. Dabei soll der Finanzsektor eine zentrale Rolle spielen. Neben der Sicherung der Stabilität ist die Stimulierung von neuen Ideen und Trends erwünscht. Das neue Gesetz reguliert den Umgang mit digitalen Anlageprodukten. Finanzdienstleistungen, die sich mit Kryptowährungen oder digitalen Wertpapieren befassen, sind einer Erlaubnispflicht unterworfen. Die Anbieter, welche digitale Wertpapiere verwahren, ausgeben oder mit ihnen handeln möchten, benötigen eine diesbezügliche Lizenz. Durch diese Lizensierungspflicht hat die Bundesregierung einen rechtlichen Rahmen geschaffen. Er schützt die Anleger auf einem hohen Niveau und sichert die fachgerechte und seriöse Betreuung der entsprechenden Produkte.

Aktuell: Emission digitaler Wertpapiere

Die ersten digitalen Wertpapiere für eine Mittelstandsfinanzierung wurden bereits Ende 2019 herausgegeben. Die Finanzierung für die FR L'Osteria SE trug mehr als zwei Millionen Euro ein. Emission, Eigentumsübertragung und die sichere Aufbewahrung der Anteile in einem digitalen Depot wurden durch den betreuenden Finanzdienstleister in Zusammenarbeit mit einer renommierten Anwaltskanzlei organisiert. Dieses Beispiel könnte bald Schule machen. Viele mittelständische Unternehmen benötigen frisches Kapital, um die Einbußen durch die Corona-Krise auszugleichen. Andere könnten Chancen wahrnehmen, für die Investitionen nötig wären. Mit der Ausgabe digitaler Wertpapiere kann eine Beteiligung am Unternehmen schnell und relativ unbürokratisch stattfinden. Das Risiko lässt sich dabei auf zahlreiche Anleger verteilen. Diese können im Gegenzug bei Erfolg mit guten Renditen rechnen. 

Gerade Mittelständler sind es gewohnt, effizient und gewinnorientiert zu arbeiten. Viele der Betriebe sind familiengeführt und setzen sich stark für einen Erfolg des Unternehmens ein. Die Einschnitte durch die aktuelle Krise stellen in diesem Sinne auch eine Chance für Veränderungen dar. Statt die Mittel für nötige Investitionen bei der Hausbank zu erbitten, können die Unternehmen digitale Wertpapiere auf dem Markt anbieten. Sie bleiben damit unabhängig von den großen Finanzinstituten und müssen sich keinen ungünstigen Bedingungen für einen Kredit unterwerfen.

Welche Vorteile bieten digitale Wertpapiere gegenüber klassischen Anlageprodukten?

Digitale Wertpapiere sind in Hinsicht auf ihre Gestaltung und die Regulierungsvorschriften wie klassische Wertpapiere zu behandeln. Sie lassen sich wie eine Anleihe mit einer festen Verzinsung einrichten oder können wie eine Aktie Unternehmensanteile darstellen. Für die Emission und den Verkauf der digitalen Wertpapiere ist jedoch ein wesentlich geringerer Verwaltungsaufwand nötig. Es kann auf Intermediäre wie Banken, Notar und Zentralverwalter verzichtet werden. 

Die ausgebenden Unternehmen entscheiden selber, welche Struktur ihr digitales Wertpapier auf Basis einer Blockchain erhalten soll. Der Verkauf der digitalen Anteile erfolgt direkt an die Anleger bzw. Investoren. Es sind beliebige Stückelungen denkbar, die es den Anlegern ermöglichen, auch mit kleineren Beträgen in die Investition einzusteigen. Über die Blockchain werden die Emission, die Eigentumsübertragung und weitere Aktionen wie zum Beispiel Zins- oder Dividendenzahlungen fälschungssicher gespeichert.

Die Ausgabe von digitalen Anteilen, den sogenannten Security Token, über eine permissioned, private Blockchain bietet einen hohen Schutz für die Investoren, sowohl durch die Blockchain-Technologie als auch durch eine entsprechende gesetzliche Regulierung. Da die tokenisierten Anteile reale Sachwerte widerspiegeln, sind sie gegen Währungsschwankungen und Turbulenzen an den Aktienmärkten weitestgehend geschützt. 

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