Grundwissen Geldanlage

Intelligent investieren: Digitale Wertpapiere punkten im Vergleich mit klassischen Fonds

Digitale Anteile oder klassische Wertpapiere: Welcher Anlegertyp sind Sie? Die beschleunigte Digitalisierung spielt bei der Strukturierung von Multi-Asset-Portfolios eine wesentliche Rolle. Denn neben klassischen Kapitalmarktprodukten wie zum Beispiel Anleihen oder Schuldtiteln, Aktien und Fonds gewinnen tokenisierte Wertpapiere zunehmend an Bedeutung – zumal digitale Anteile Investoren einige Besonderheiten und erweiterte Optionen gegenüber traditionellen Anlageprodukten bieten.

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2020 war in vielerlei Hinsicht ein besonderes Jahr. Zahlreiche Bereiche wurden durch die weltweiten, pandemiebedingten Lockdowns und Beschränkungen “entschleunigt” – während andere Fahrt aufnahmen. So zum Beispiel die Digitalisierung. Disruptive, technologische Entwicklungen veränderten die Art wie wir arbeiten und kommunizieren. Sie prägten unser Einkaufsverhalten, sorgten für einen E-Commerce- und Paketboom und beeinflussten unser Bezahl- und Investitionsverhalten. 

Dabei wurden vor allem mit zwei “typisch deutschen” Gepflogenheiten gebrochen: Der Vorliebe für Bargeld und Spargeld. Das Handelsforschungsinstitut EHI behauptet, dass 2020 das wachstumsstärkste Jahr für elektronisches Bezahlen in Deutschland seit Beginn der Erhebungen war. Vor allem, weil Einzelhändler und Supermärkte aus Hygieneerwägungen zum Schutz von Kundschaft und Kassenpersonal verstärkt kontaktloses Bezahlen propagierten. Dabei wurde im Deutschen Einzelhandel primär mit Karte (55 %) bezahlt, wobei das EHI aufgrund des Trends der Smartphone-Zahlungen und kontaktlosen Payments, die schon jetzt gut die Hälfte des Kartenumsatzes ausmachen, in den kommenden Jahren noch Wachstumspotenzial sieht.

Vermögensbildung heute: Wertpapiere lösen verzinstes Sparen ab

Neben dem Bezahlverhalten veränderte sich im vergangenen Jahr auch das Spar- und Investitionsverhalten der Deutschen. Da Konsumenten einerseits weniger für Reisen oder Restaurantbesuche ausgaben und andererseits aufgrund wirtschaftlicher Unwägbarkeiten mehr Geld zur Seite legten, stieg die Sparquote laut einer Studie der DZ Bank 2020 auf ein historisches Hoch: Im zweiten Quartal lag diese in Deutschland bei über 20 % – dem höchsten Wert seit der Wiedervereinigung. Laut Daten der Deutschen Bundesbank stieg das Geldvermögen privater Haushalte in Deutschland im zweiten Quartal 2020 um 253 Milliarden Euro bzw. 4 % auf 6.630 Milliarden Euro Ende Juni. Im Gesamtjahr erreichte das Geldvermögen ein Rekordniveau von 7,1 Billionen Euro.

Demnach sind die Deutschen seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie paradoxerweise reicher denn je. Weshalb sich für viele Sparer die Frage stellt: Wohin mit dem Geld? Verzinste Anlageformen wie das Sparbuch oder Tagesgeld entwickeln sich aufgrund der andauernden Straf- bzw. Nullzinsära langfristig zu Kapitalvernichtern: Infolge extrem niedriger Zinsen und dem daraus resultierenden Investitionsstau erlitten die privaten Haushalte in Deutschland laut DZ Bank seit 2010 Netto-Zinseinbußen in Höhe von 379 Milliarden Euro. Inklusive Rentenpapieren und Versicherungsanlagen waren es in den vergangenen elf Jahren sogar 732 Milliarden Euro.

Unter anderem aus Mangel an Alternativen entdeckten Deutsche 2020 rentable Sachwerte als Investitionsmöglichkeit. Neben Immobilien standen dabei vor allem Wertpapiere wie Aktien oder Fonds im Fokus. Zwar waren laut der DZ Bank-Studie 2020 nur knapp sieben Prozent des privaten Geldvermögens in diese Anlageformen investiert, doch im ersten Halbjahr stieg die Geldvermögensbildung in Form von Aktien auf 28,5 Milliarden Euro. Dies sei das 2,8-Fache der Netto-Mittelanlage im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Auch Fonds und Zertifikate verbuchten Mittelzuflüsse. Eine positive Entwicklung, zumal sich allein mit DAX-Werten im historischen Mittel eine Rendite von 8,3 % p.a. realisieren lässt.

Tokenisierte Wertpapiere für die neue Generation selbstbestimmter Investoren

Ein Investment- bzw. Security-Token repräsentiert bestimmte Vermögensansprüche und Rechte in digitaler Form, die auf der Blockchain gespeichert werden. Grundsätzlich lassen sich Investment-Token von vielerlei Sachwerten, wie z.B. Wertpapieren, Immobilien, Kunstwerken oder Oldtimern auf der Blockchain abbilden. Investoren erhalten entsprechend ihres Kapitaleinsatzes digitale Anteile am gewählten Investitionsobjekt und profitieren vom eventuellen, späteren Veräußerungserlös und laufenden Einkünften (z.B. Mieteinnahmen). 

  • Neue Investmentmöglichkeiten für Privatanleger

Tokenisierte Sachwerte eröffnen auch Kleinanlegern die Möglichkeit, in Assetklassen zu investieren, die bislang nur professionellen Investoren vorbehalten waren. 

  • Mehr Flexibilität

Digitale Assets bieten mehr Flexibilität als herkömmliche illiquide Vermögenswerte, da sie jederzeit über die Blockchain handelbar sind. Anleger können bereits mit wenigen Hundert Euro ein diversifiziertes Sachwerte-Portfolio aufbauen.

  • Kostenvorteile

Da fixe und laufende Kosten für Intermediäre oder die Aufbewahrung bei Zentralverwahrern weitgehend wegfallen, sind tokenisierte Werpapiere deutlich kosteneffizienter – was sich unterm Strich positiv bei der Rendite bemerkbar machen kann, wenn die Kostenvorteile an Investoren weitergegeben werden.

Tokenisierte Wertpapiere eignen sich für selbstbestimmte Investoren, die bei größtmöglicher Flexibilität, Kontrolle und Kosteneffizienz ein diversifiziertes und stabiles Multi-Asset-Portfolio zusammenstellen möchten.

Klassische Fonds genießen Vertrauen als etablierte Marktgröße

Manche Anleger verfügen jedoch nicht über die Zeit, das Interesse oder Fachwissen, um ein (digitales) Portfolio selbst zu verwalten und verlassen sich deshalb lieber auf Fondsmanager. Damit übergeben sie die Kontrolle über ihr Portfolio einem Asset Manager, der die ihm anvertraute Investition fremd-managt. Dafür fallen bei Fonds mitunter Ausgabeaufschläge, Transaktionsgebühren sowie performanceabhängige Vergütungsbestandteile an, die auf Kosten der Rendite gehen. 

  • Etablierter Markt

Fonds und andere, traditionelle Anlageformen haben sich seit Jahrzehnten auf dem Kapitalmarkt etabliert und verfügen über eine entsprechend hohe Akzeptanz bei den Marktteilnehmern. Da ein Basiswissen über klassische Wertpapiere bei Beratern und Kunden oft bereits vorhanden ist, ist die Eintrittsbarriere niedriger als bei tokenisierten Wertpapieren.

  • Handelbarkeit über Hausbank

Klassische Geldmarktprodukte können relativ einfach über die Konten der Hausbank gehandelt werden. Der Handel mit Investment-Token dagegen erfolgt auf spezifischen Plattformen, die häufig (noch) nicht mit Geldinstituten verknüpft sind.  

Klassische Anlageprodukte eignen sich für traditionell orientierte Investoren, die den persönlichen Kontakt zu ihrer Hausbank schätzen und langjährig etablierte Kapitalmarktprodukte finanztechnischen Innovationen vorziehen.

Fazit: Finanzielles Vorwissen und persönliche Vorlieben entscheiden

Ob klassisch oder tokenisiert: Wertpapiere sind im Allgemeinen eine sinnvolle Ergänzung fürs Portfolio. Je nach persönlicher Vorliebe und Vorwissen sollten Anleger deshalb selbst entscheiden, ob sie ihr Kapital Fondsmanagern anvertrauen oder sich lieber auf die eigenen Kompetenzen verlassen, aktiv Finanzfachwissen aufzubauen. 

Wenn sich in Zukunft mehr Banken, Broker oder Asset Manager dafür entscheiden, Token-Infrastrukturen auch auf ihren Plattformen über Open Banking-Features zu integrieren, müssen sich Anleger womöglich gar nicht mehr entscheiden, sondern profitieren von einem bunten Strauß an Möglichkeiten – komfortabel mit einem einzigen Zugang über das selbst gewählte Online-Portal Ihres Vertrauens. 

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