Crowdinvesting: Die moderne Form des (Mikro-)Investments

Mit nur zehn Euro in ein Start-up und mit fünfhundert Euro in Immobilien investieren? Crowdinvesting macht es möglich. Diese moderne Form der Finanzierung ermöglicht es großen Gruppen von Investoren – der sogenannten Crowd – sich bereits mit kleinsten Beträgen an Unternehmen und deren Projekten zu beteiligen. Wird ein über die Crowd finanziertes Projekt erfolgreich umgesetzt, werden alle Investoren je nach Höhe ihres Investments prozentual am Erfolg eines Unternehmens beteiligt. Diese Form der Finanzierung wird hierzulande gern als „Schwarmfinanzierung“ bezeichnet – und obwohl es sich oftmals um eine der riskantesten Investitionsmöglichkeiten handelt, erfreut sie sich dank ihrer überwiegend positiven Erfolge wachsender Beliebtheit.


Was ist der Unterschied zwischen Crowdinvesting, Crowdfunding und Crowdlending?

Im „klassischen“ Crowdfunding wird die Crowd bei erfolgreicher Finanzierung eines Projekts nicht mit Geld ausgezahlt. Stattdessen erhält jeder Investor ein thematisch zum Projekt passendes Dankeschön, das je nach investiertem Betrag im Umfang variieren kann. Im Gegensatz hierzu ist Crowdinvesting ganz spezifisch darauf ausgerichtet, Rendite für die Investoren zu erwirtschaften. Diese Zielsetzung hat es mit dem sogenannten Crowdlending gemein. Auch, wenn Crowdlending und Crowdinvesting oftmals miteinander verwechselt oder gleichgesetzt werden, besteht zwischen diesen beiden Formen des Crowdfundings ein gravierender Unterschied: Der Gewinn für die Investoren besteht bei Crowdlending aus den Zinsen für den vergebenen Kredit – und bei dem Crowdinvesting in einer Gewinnbeteiligung.

Zusammenfassen lassen sich die Unterschiede zwischen den einzelnen Investitionsformen wie folgt:

  • Crowdfunding bedeutet eine einmalige Investition in ein Projekt, die mit einem nicht-monetären Dankeschön belohnt wird.
  • Crowdlending ist die Vergabe eines Kredits, der vollständig und inklusive eines zuvor festgelegten Zinssatzes an die Investoren zurückgezahlt wird.
  • Crowdinvesting bringt den Investoren Anteile an einem Unternehmen; die Rendite entsteht hier durch Gewinnbeteiligung.

Welche Formen von Crowdinvesting gibt es?

Grundsätzlich kann sich jedes Unternehmen für Crowdinvesting öffnen – und entsprechend groß ist die Vielfalt der Projekte, an denen sich die Crowd beteiligen kann. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich neben Immobilienprojekten Projekte zum Aufbau neuer Start-ups und zur Erzeugung erneuerbarer Energien. Eine vergleichsweise neue Entwicklung ist wiederum, dass der Mittelstand die Möglichkeiten des Crowdinvestings für sich zu entdecken beginnt.

Die Höhe der Beiträge, mit denen Investoren ins Crowdinvesting einsteigen können, unterscheiden sich je nach Plattform und auch von Projekt zu Projekt. An manchen Projekten können Sie sich bereits mit einer Mikro-Investition von gerade einmal 5 oder 10 Euro beteiligen, während die Mindestinvestitionssumme bei anderen Projekten mehrere Hundert Euro beträgt. Auch hinsichtlich ihrer Laufzeit können die Investments sehr verschieden sein. Hier zeichnet sich allerdings in Abhängigkeit vom finanzierten Projekttyp ein deutlicher Trend ab: Die Laufzeit für Immobilienprojekte bewegt sich zumeist zwischen 2 und 5 Jahren, wohingegen Start-Ups dazu tendieren, eine Laufzeit von mindestens 5 Jahren anzusetzen.

Welche Vorteile bringt Crowdinvesting für Unternehmen und Investoren?

Für viele kleine Firmen stellt Crowdinvesting die beste – wenn nicht gar die einzige – Möglichkeit dar, ein Darlehen für ein neues Projekt oder auch den Aufbau des Unternehmens selbst zu erhalten. Insbesondere Gründer von Start-Ups verfügen oftmals nicht über das nötige Eigenkapital, um einen Bankkredit zu erhalten. Sie profitieren daher von der Möglichkeit, ihre Unternehmensgründung gemeinsam mit der Crowd zu gestalten. Die Investoren sichern sich wiederum neben der Rendite auch die Chance, auf die durch sie finanzierten Projekte Einfluss zu nehmen.

Doch auch für größere Unternehmen erweist sich Crowdinvesting als überaus reizvoll. Zum einen kann von Seiten der Investoren Feedback zum Projekt und auch zum Unternehmen insgesamt eingeholt werden. Zum anderen dient die Crowd aber auch als Multiplikator: Von einem Projekt begeisterte Investoren werden nicht nur dem Unternehmen treu bleiben, sondern es auch u.a. in den Sozialen Medien kostenlos bewerben. So kann geschickt eingesetztes Crowdinvesting zu einem effektiven Werkzeug für Marktforschung, Marketing und Kundenbindung werden.

Wie hoch sind Rendite und Risiko für die Investoren?

Was viele Investoren zum Crowdinvesting führt, ist die Suche nach möglichst hohen Renditen. Je nach Projekt können hier zwischen 3% und 7%, in manchen Fällen sogar 10% Zinsen auf das investierte Kapital erwirtschaftet werden. Allerdings besteht auch stets das Risiko, das investierte Kapital vollständig zu verlieren. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass das Investment der Crowd zumeist als nachrangiges Darlehen gehandhabt wird. Sollte das Projekt fehlschlagen oder das Unternehmen gar Insolvenz anmelden, bedeutet das, dass zuerst die Forderungen aller anderen Gläubiger beglichen werden. Bleiben am Ende noch Vermögenswerte übrig, kann die Crowd einen Teil ihres Investments zurückgezahlt bekommen. Haben die Forderungen der übrigen Gläubiger die Vermögenswerte jedoch aufgezehrt, ist das Investment der Crowd verloren. Die Möglichkeit, sich während der Projektlaufzeit von dem Investment zurückzuziehen, besteht zudem nur in seltenen Ausnahmefällen.

Das größte Risiko bergen Crowdinvestments in Start-ups. Studien zufolge schaffen es 14-19% der durch Crowdinvesting finanzierten Start-ups nicht, sich am Markt zu etablieren. Wollen Sie ein Start-up unterstützen, sollte Ihr Investment nur einen Teil des Vermögens ausmachen, dessen Verlust Sie im Ernstfall verschmerzen könnten.

Als Kompromiss zwischen Rendite und Risiko können Sie zudem das Crowdinvesting in möglichst sichere Assets in Betracht ziehen. Das bedeutet die Investition in Projekte, deren Umsetzung bereits gewisse Vermögenswerte voraussetzt – etwa in die Renovierung einer Bestandsimmobilie. Sollte das Projekt scheitern, bleibt ausreichend Kapital, um nicht nur die Gläubiger, sondern auch die Crowd zumindest anteilig auszubezahlen. Aus diesem Grund gehen vergleichsweise geringe Risiken mit der Investition in den Aus- und Umbau von Immobilien oder der Expansion etablierter Unternehmen aus dem Mittelstand einher. Neben den kurzzeitigen Projekten in Immobilien kann man durch Crowdinvestments bereits mit geringem Kapitaleinsatz gemeinsam eine Immobilie erwerben. Besonders in Deutschland zeichnen sich diese durch das geringe Risiko und dem wachsenden Immobilienmarkt als attraktive Geldanlage aus.