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Der digitale Euro – wann er kommt und was er verspricht

Digitalen Währungen gehört die Zukunft. Während Länder wie Schweden oder China bereits Experimente und Testläufe durchführen, kommen die Pläne der Europäischen Zentralbank für den E-Euro nur schleppend voran. Verliert Europa den Anschluss auf dem internationalen Finanzmarkt?

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Im Januar 2021 kündigte Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, an: „Wir werden einen digitalen Euro haben.“ In etwa fünf Jahren solle der E-Euro parallel zum Bargeld eingeführt werden. Lagardes Versprechen wurde in den Folgemonaten jedoch wieder relativiert: Die EZB will nun Mitte des Jahres entscheiden, ob ein formelles Projekt zum digitalen Euro gestartet wird. Dabei geht jedoch möglicherweise wertvolle Zeit verloren, denn die EU nimmt im weltweiten Vergleich schon jetzt eine Nachzüglerrolle ein. China arbeitet schon seit 2014 am E-Yuan, der sich bereits in der Testphase befindet. Und Facebook bringt mit „Diem” (ursprünglich: „Libra”) 2021 eine eigene, digitale Weltwährung heraus.

Eine Entscheidung der EZB bleibt abzuwarten. Doch eines steht aber schon jetzt fest: Der E-Euro wäre eine adäquate Antwort auf privatwirtschaftlichen Initiativen wie Bitcoin, Diem oder digitales Zentralbankgeld anderer Länder. Und hätte das Potenzial, unser Finanzsystem grundlegend zu verändern.

EU ist Nachzügler bei digitaler Währung

Viele Zentralbanken haben dies bereits erkannt und treiben die Entwicklung eigener Digitalwährungen mit Hochdruck voran. Die EZB gibt sich jedoch trotz der zahlreichen Vorteile einer CBDC (Central Bank Digital Currency) zögerlich.

Im Januar veröffentlichte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) die Ergebnisse aus ihrer dritten Befragung von 65 Zentralbanken weltweit zum Thema digitale Währungen.

Demnach arbeiten 80 Prozent der befragten Zentralbanken bereits an einer digitalen Währung. Rund 40 Prozent von ihnen führen entsprechende Experimente und Machbarkeitsstudien durch. Zehn Prozent befassen sich damit, konkret eine digitale Währung zu entwickeln bzw. einen Piloten aufzusetzen. Einige Gründe für die intensive Forschungs- und Entwicklungsarbeit der Zentralbanken sind u. a.:

  • Sinkende Bargeldnutzung

Spätestens seit der Coronapandemie ist klar: Sogar die Bargeld-affinen Deutschen nutzen vermehrt Karten- oder kontaktlose Zahlungsmöglichkeiten. Laut einer Umfrage des Deutschen Bankenverbands zahlen mittlerweile knapp 60 Prozent der Deutschen mit Karte oder Smartphone – Tendenz steigend. Schwedens Regierung will den bargeldlosen Zahlungsverkehr sogar noch weiter vorantreiben. Das Ziel: Münzen und Papiergeld sollen langfristig ganz verschwinden.

  • „Internet der Dinge”

Mit dem Internet verbundene Maschinen (Industrie 4.0) könnten Zahlungen untereinander automatisiert abwickeln. Mittels Smart Contracts wären vernetzte Geräte in der Lage, Rechnungen zu erstellen, Zahlungen zu empfangen und entsprechend definierter Regeln Geld zu überweisen. Transaktionen würden ohne eine zwischengeschaltete Bank und aufwändige Zahlungsanweisung getätigt werden.

  • Sekundenschnelle, weltweite Transaktionen

Einer der größten Vorteile digitaler Währungen wären sekundenschnelle und kostengünstige Überweisungen – auch über Landesgrenzen hinweg, sowie die Vorzüge von Kleinstüberweisungen (Micro Payments).

  • Forderung nach Anonymität

Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Privacy: Die EZB hat Mitte April 2021 die Ergebnisse einer öffentlichen Konsultation zum digitalen Euro veröffentlicht. Sie zeigen, dass vor allem der Schutz der Privatsphäre bei digitalen Transaktionen für 43 Prozent der Befragten höchste Priorität hat. Ein Vorteil des E-Euro gegenüber digitalen Währungen privater Anbieter wäre, dass bei Transaktionen keine persönlichen Daten übermittelt werden.

Wie bedeutend die am weitesten fortgeschrittenen CBDC-Projekte im globalen Kontext sind, fasst die BIZ wie folgt zusammen: „Obwohl die Stimmung recht unverändert ist, stehen Zentralbanken mit konkreten Plänen zur Ausgabe einer CBDC unmittelbar vor der Einführung. Etwa zehn Prozent der befragten Zentralbanken werden wahrscheinlich schon bald eine CBDC für die breite Öffentlichkeit herausgeben, was 20 Prozent der Weltbevölkerung betreffen wird.”

Bei der Entwicklung einer eigenen Digitalwährung hinkt Europa im internationalen Vergleich jedoch deutlich hinterher. Zahlreiche Experten weisen darauf hin, dass die EU hinsichtlich CBDC im Vergleich zu China einen Rückstand von etwa sechs bis acht Jahren aufweist und publizierten eine Roadmap für einen digital programmierbaren Euro bis 2024. Auch der deutsche IT-Branchenverband Bitkom möchte den digitalen Euro vorantreiben, damit Europa im globalen Kontext nicht den Anschluss verliert.

Gestaltungsfragen des E-Euro: Emission, Zugang, Zinsen

Der geforderte Zeitrahmen wird sich jedoch nicht einhalten lassen, da noch zu viele Fragen offen sind. So konstatiert die LBBW in einer Publikation: „Der digitale Euro kommt, aber nicht vor 2030“. Einigkeit herrscht zwar bereits darin, dass der E-Euro Bargeld keinesfalls ersetzen soll. Doch es gibt noch zahlreiche Details zu dessen exakter Ausgestaltung zu klären:

  • Emission durch private Organisationen oder Zentralbank?

So könnte entweder die Zentralbank selbst eine CBDC emittieren oder regulierte, private Institutionen eine sogenannte Digital Fiat Currency (DFC) – das tokenisierte, digitalisierte Abbild einer Fiat-Währung – ausgeben.

  • Tokenisiert oder kontenbasiert?

Diskutiert wird auch, auf welcher Basis der digitale Euro realisiert werden soll. Infrage kommt dabei entweder ein konten- oder tokenbasierter Zugang zu digitalem Zentralbankgeld. Im Falle einer kontobasierten Lösung hätten Bürger Guthaben in einem „Wallet” direkt bei der Zentralbank. Beim tokenbasierten CBDC wird ein digitaler Token entworfen, der nicht mit den Geschäftskonten der Zentralbanken verbunden ist.

  • Zinsen bzw. Negativzinsen?

Prinzipiell soll Guthaben auf dem E-Euro-Konto beschränkt werden – vermutlich auf maximal 3.000 Euro. Es soll laut EZB nicht zum Sparen oder Investieren, sondern zum Konsum genutzt werden. Allerdings könnte die Zentralbank für E-Euros andere Leitzinssätze festlegen, als für traditionelles Bar- und Buchgeld.

Fazit: Einführung eines digitalen Euro hängt ab von Sicherheit und Akzeptanz

Der digitale Euro soll die monetäre Souveränität Europas gewährleisten und eine Abhängigkeit von Kryptowährungen anderer Länder oder „Big Techs” verhindern. Auch wäre dessen Nutzen für die Wirtschaft und deren digitaler Transformation erheblich. Entscheidend bei der Einführung des E-Euro ist jedoch, dass die Sicherheit und Finanzstabilität gewahrt bleiben, Banken als vertrauenswürdige Intermediäre in den Prozess eingebunden werden und die Akzeptanz von Seiten der Wirtschaft und Bevölkerung gewährleistet ist.

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