Grundwissen Geldanlage

Ist das Geschäftsmodell Asset Manager überholt?

Das Asset Management galt lange Zeit als eine lukrative Branche. Doch nicht erst seit der Corona Krise stehen Asset Manager vor großen Herausforderungen. Kostendruck und sinkende Gewinnmargen sind ein großes Problem, mit dem die Finanzverwalter umgehen müssen. Wir zeigen Ihnen, welche Szenarien der Branche blühen und mit welchen Mitteln die Finanzinvestoren ihre Zukunft auf innovative Entwicklungen ausrichten können.

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Vor welchen Problemen stehen Asset Manager?

Verstärkt durch die Corona Krise hat sich durch milliardenschwere Finanz- und Konjunkturprogramme die Realwirtschaft von den Finanzmärkten abgekoppelt. Diese Situation befeuert die Problemherde des Asset Managements: Besonders die hohen Kosten sind ein wesentlicher Nachteil dieser Finanzdienstleistungen, die zunehmend in Konkurrenz zu modernen, passiven Investmentmöglichkeiten oder Technologie-getriebenen Geschäftsmodellen stehen, die Flexibilität mit Kosteneffizienz kombinieren.

Die Entwicklung der Märkte in den kommenden Jahren ist ungewiss. Wahrscheinlich ist jedoch, dass die Zentralbanken die Zinsen weiterhin niedrig halten, im gleichen Zuge aber die Kreditzinsen steigen werden. Die tatsächliche Entwicklung wird jedoch davon abhängen, wann die Entkopplung der Finanzmärkte von der Realwirtschaft endet und wie dramatisch die Folgen der Corona Pandemie sein werden. Entscheidend wird sein, wie schnell sich die Wirtschaft von den Einbrüchen der Corona Krise erholt und sie wieder in alter Stärke auftreten kann. Anhand einer Studie der Strategie- und Managementgesellschaft zeb ergeben sich drei Szenarien für die Wirtschaft und die Asset Branche. Dort werden Lösungsansätze beschrieben, wie Manager diese Krise erfolgreich überstehen können und den Marktdruck im Finanzsektor zur Veränderung nutzen können.

Szenario 1: Die vergangene Marktentwicklung setzt sich weiter fort

Das Szenario 1 der zeb-Studie sieht konstante Wachstumsraten vor, wie Sie durchschnittlich bereits in den vergangenen Jahren zwischen 2015 und 2019 vorlagen. Bereits heute liegen die Aktienmärkte über oder zumindest auf dem Vorkrisenniveau und werden laufend mit neuem Geld von Regierungen und Zentralbanken gefüttert, um einen dramatischen Einbruch zu vermeiden. Dieses Szenario ist sehr optimistisch und geht davon aus, dass die Entkopplung von Realwirtschaft und Finanzmärkten auch während der nächsten fünf Jahre bestehen bleibt. Das starke Wachstum der Technologie- und Gesundheitsbranche muss in diesem Zeitraum die Verluste der traditionellen Industriezweige mehr als ausgleichen. Diese Schlüsselbranchen tragen in diesem Zeitraum die Marktperformance.

Szenario 2: Das Marktwachstum wird gehemmt und pendelt sich auf einem niedrigeren Niveau ein

Das zweite Szenario der zeb-Studie geht von einem geringeren Marktwachstum in den kommenden fünf Jahren aus, bei dem die Marktperformance nur halb so groß ist wie in den vergangenen fünf Jahren. Hierbei ist eine schnelle Erholung der Märkte berücksichtigt, die zu einem klassischen V-förmigem Verlauf der Wirtschaft führt. Für die Asset Manager wird der anhaltende Kostendruck durch steigende Gebühren und Investitionen in diesem Szenario deutlich spürbar. Asset Firmen, die einen Mix aus aktiven und passiven Strategien anbieten, erleben einen Rückgang der Erträge von bis zu 30 Prozent. Asset Manager, die nur aktive Strategien anbieten, könnten ca. 15 Prozent Rückgang erleben. Den steigenden Gebühren auf Seite der Asset Manager steht der hohe Druck der Investoren auf Gebührensenkungen gegenüber, dem durch Anpassungen der variablen Kosten nach unten Rechnung getragen werden muss.

Szenario 3: Die nächsten fünf Jahre bieten kein Wachstum

Das dritte Szenario der zeb-Studie ist das konservativste im Vergleich. Hier geht sie statt einer V-förmigen Entwicklung von einem U-Verlauf aus. Darin liegt eine Marktentwicklung zu Grunde, die nicht von einer schnellen Erholung geprägt ist, sondern sich deutlich länger zieht. Daraus resultiert im Schnitt der nächsten fünf Jahre ein Wachstum von Null Prozent. Berücksichtigt sind hierbei steigende Kosten für den Wandel hin zur Digitalisierung und steigenden regulatorischen Aufwendungen für die Asset Manager.

Egal, welches Szenario zu Grunde gelegt wird, die Gewinnmargen für die Asset Manager sinken bei allen drei Varianten. Selbst beim optimistischen Szenario 1 ist von einem Rückgang der Margen von 20 Prozent auszugehen. Bei dem zweiten und dritten Szenario sinken sie sogar um 30 Prozent oder 60 Prozent. 

Die Zukunft des Asset Management ist digital

Die Leistungen der aktiven Manager werden zunehmend kritisch betrachtet. Warum sollten Anleger vergleichsweise hohe Kosten für eine Finanzdienstleistung bezahlen, wenn sie durch Investitionen in Blockchain-basierte Lösungen, bei denen sie sich ihr Portfolio selbst zusammenstellen können, ähnliche Renditeerwartungen erhalten? Asset Manager müssen ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber konkurrierenden Dienstleistungen in einer sich wandelnden Finanzbranche sichern.

Ein ganzheitlicher Unternehmensansatz ist heutzutage unerlässlich, der sich für eine kundenbezogene, weitsichtige Planung öffnet, die zukünftige Trends mit einbezieht. Wichtig für die Vermögensverwalter ist es, die Alleinstellungsmerkmale ihrer Dienstleistung gezielt herauszustellen, um für ihre Kunden das Angebot weiterhin attraktiv zu halten - gerade in Zeiten erhöhter kontaktloser Kommunikationspunkte schafft man Vertrauen durch Persönlichkeit und individuelle Kompetenz. 

Maßnahmen sollten dabei immer im Einklang mit der Zukunftsausrichtung des Unternehmens und dem damit verbundenen Produktportfolio getroffen werden. Um den Wandel zur Digitalisierung kommen auch Asset Manager nicht herum. Ein klares Zielbild auf dem Weg zur Digitalisierung ist entscheidend. Eine effektive Data Governance in Verbindung mit einem Datenmanagement-System wirkt kostensparend und optimiert Prozessabläufe. 

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