Grundwissen Geldanlage

Kryptowährungen als Wegbereiter für den digitalen Vermögensaufbau

Kryptowährungen wie der Bitcoin wurden im November 2020 infolge ihres rasanten Preisanstiegs als „digitales Gold” gefeiert. Skeptiker warnten jedoch vor einer Wiederholung der „Bitcoin Blase” und erinnerten an die heftige Korrektur 2018. Die aktuelle Hausse ist jedoch nicht mit dem Krypto-Boom im Jahr 2017 vergleichbar. Denn mittlerweile haben auch institutionelle Anleger, Zahlungsdienstleister und sogar Notenbanken das Potenzial von Digitalwährungen und tokenisierten Wertpapieren erkannt.

Article

|6 min read

Bitcoin: Here to stay

Der Bitcoin erlebte 2020 ein fulminantes Comeback: Mitte März 2020 war die führende Digitalwährung noch für 3.550 Euro zu haben. Ende November kostete ein Bitcoin schon 16.000 Euro und näherte sich dem Rekordhoch von knapp 20.000 Euro aus dem Jahr 2017. Die Bitcoin-Marktkapitalisierung hat mit aktuell rund 388 Milliarden Dollar einen neuen Höchststand erreicht. Die Marktkapitalisierung setzt sich dabei zusammen aus dem Kurswert und der verfügbaren Menge an Bitcoin. Da der Bitcoin als Recheneinheit erzeugt werden kann (sog. Mining), sind auch seit 2017 mehr Bitcoins im Umlauf. 

Die aktuelle Rally hat jedoch einen anderen Charakter als die damalige Spekulationsblase. Denn neben Privatanlegern entdecken zunehmend auch institutionelle Investoren, Unternehmen und Regulierer die Vorteile Blockchain-basierter Zahlungsmittel.

Digitale Finanzbranche professionalisiert sich

Längst sind digitale Devisen der Grauzone des Darknets entwachsen, etablieren sich zunehmend als Alternativwährung oder Zahlungsmittel und gelten bei professionellen Anlegern mittlerweile als Absicherung gegen Börsenturbulenzen.

Welchen Stellenwert Kryptowährungen als „sichere Häfen” einnehmen, zeigte sich während der Coronapandemie: Volatile Aktienmärkte, die Ausweitung der expansiven Geldpolitik der Notenbanken sowie Fiskalprogramme historischen Ausmaßes habe dazu geführt, dass Investoren vermehrt Anlagemöglichkeiten außerhalb von Euro, US-Dollar und Co. suchten. Bitcoin-Investmentfonds verzeichneten infolgedessen erhebliche Zuflüsse und Ende Oktober 2020 teilweise Rekordwerte.

Rückenwind erhielten Kryptowerte auch vom Bitcoin-Vorhaben des großen Bezahldienstes PayPal. Im Oktober 2020 erklärte der Konzern, dass US-Kunden künftig über die Payment-Plattform Bitcoins kaufen, verkaufen und aufbewahren können. Anfang 2021 soll es zudem möglich sein, bei Händlern mittels PayPal in Kryptowährungen zu bezahlen. Anleger spekulieren darauf, dass dieser Schritt in Richtung Kommerzialisierung dem Bitcoin einen weiteren Schub versetzen wird. Auch könnte die einfachere Handhabung unter PayPals Dach die Akzeptanz der Investoren erhöhen – und die Devise massentauglicher machen.

Europäische Zentralbank testet E-Euro

Zu eben jener Akzeptanz von Kryptowährungen trägt auch die Diskussion der Europäische Zentralbank (EZB) über digitale Währungen wie den „E-Euro” bei. Als Ergänzung zu Scheinen und Münzen könnte der digitale Euro vor allem der Wirtschaft neue Möglichkeiten bieten. Zum Beispiel würde der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr, der derzeit oft mehrere Tage dauert, binnen Sekunden erfolgen. Auch ließen sich Finanztransaktionen von Unternehmen automatisieren und damit beschleunigen. Privatpersonen könnten über digitales Geld kleine Beträge, sogenannte Mikrotransaktionen, schnell und bargeldlos abrechnen.

Wenn die aktuelle Austausch- und Vorbereitungsphase unter Einbeziehung von Interessenträgern und internationalen Partnern erfolgreich verläuft, soll Mitte 2021 entschieden werden, ob ein digitaler Euro gestartet wird. Das digitale Geld – darauf legen alle Zentralbanken in der Eurozone wert – soll Bargeld aber auf keinen Fall ersetzen, sondern ergänzen.

Kryptowährungen, Stablecoins und Investment-Token

Auch wenn alle Kryptowährungen auf der Blockchain basieren und deren technologischen Vorteile von Geschwindigkeit und Effizienz nutzen, unterscheiden sie sich in Funktion und Bedeutung erheblich. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen Coins und Token. Im Gegensatz zu Coins, die ihre eigene Blockchain verwenden, werden Token in einer bereits bestehenden Blockchain wie zum Beispiel der Ethereum-Blockchain ausgeführt. Die meisten Coins und Token sind über Kryptobörsen handelbar, als Anlage aber nur bedingt geeignet, da sie (noch) keiner Regulierung unterliegen und volatil sind. 

Stablecoins wiederum sind eine Sonderform, die Preisstabilität und weniger Schwankungen garantieren sollen. Dies wird zum Beispiel durch die Ausgabe von schuldscheinähnlichen Vermögenswerten durch ein zentralisiertes Unternehmen – wie bei Tether – oder durch die Kopplung an eine Fiat-Währung umgesetzt (nicht zu verwechseln mit reguliertem E-Geld wie zum Beispiel der E-Euro). Auch Facebooks Kryptowährung Libra, die im Januar 2021 gelauncht werden soll, wird als Stablecoin zunächst an den Dollar gebunden sein.

Bei Token wiederum unterscheidet man in Utility-Token und Security-Token. Während der Utility-Token als Art digitaler Gutschein lediglich einen Nutzen im Netzwerk repräsentiert, sind Security-Token, die auch Investment-Token genannt werden, regulierte digitale Wertpapiere, die Investitionen abbilden und Investitionsgewinne realisieren.

Bei digitalen Wertpapieren repräsentiert also der Investment-Token einen Anteil an einer Immobilie oder einem anderen Sachwert, der dem Käufer mittels eines Smart Contracts übertragen wird. Da der Investment-Token einen Teil eines Sachwertes oder einer Bedarfgesellschaft abbildet, hängt der indikative Tokenwert von der Preisentwicklung und der Ausschüttung des Sachwertes ab. Investment-Token bieten Investoren mehr Sicherheit, da sie einerseits durch den Assetbezug eine stabilere Preisentwicklung haben als Kryptowährungen und außerdem regulatorischen Anforderungen unterliegen. Besonders bei institutionellen Investoren ist das Interesse an Investment-Token neben Stablecoins hoch. 

Tokenisierte Investments: Digital und diversifiziert investieren

Das Internet hat die Tür zu neuen Investitionsmöglichkeiten geöffnet. Digitale Vermögenswerte stellen eine gleichberechtigte Variante zu bestehenden Anlagemöglichkeiten wie Fonds oder Einzelaktien dar. Über Investmentplattformen stellen Anleger dazu Kapital in Form von eigenkapitalähnlich ausgestalteten Schuldverschreibungen zur Verfügung und bekommen im Gegenzug einen „digitalen Anteil“ (Investment-Token) an dem bestimmten Sachwert („Single Asset“). Auf diese Weise erhalten Privatanleger Zugang zu Investitionsmöglichkeiten, wie beispielsweise Immobilienprojekten oder anderen, exklusiven Sachwerten, die bislang nur institutionellen Anlegern vorbehalten waren.

Kunden wünschen sich die Geldanlage von heute günstig, flexibel und eigenbestimmt. Mit tokenisierten Wertpapieren haben Investoren stets Zugriff auf ihr digitales Portfolio und wissen zu 100 %, in welche Assets sie investieren. Diese digitalen Prozesse resultieren in Kostenersparnissen, die sich unterm Strich positiv auf die Renditen und Ausschüttungen der Anleger auswirken.

teilen auf