Die Bedeutung von Kunst fürs Portfolio

Die Stimmung der Investoren gegenüber Kunstinvestitionen hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert. Die Ergebnisse der Deloitte-Umfrage Art & Finance Report (2019) unter Sammlern deuten auf eine Verschiebung hin zu finanziell motivierteren Kunstbesitzmodellen hin. Die Zahl der Befragten, die angaben, Kunst zu kaufen, um die Investitionsrendite zu steigern oder ihr Portfolio zu diversifizieren, hat seit 2017 zugenommen.

52 Prozent der Sammler gaben an, dass die Portfoliodiversifizierung in diesem Jahr eine starke bzw. sehr starke Motivation für den Kauf von Kunst sei (gegenüber 36 Prozent im Jahr 2017). Dies ist der höchste Wert seit 2011. Dies zeigt, dass sich in der Wahrnehmung von Kunst durch die Anleger ein Wandel vollzogen hat: von rein emotionaler Investition hin zu einer eher kalkulierten Investition zur Erzielung von Renditen und Diversifizierung.  

"Wenn die Marktexperten mit ihrer Schätzung Recht haben, dass 6 Prozent des Vermögens in den globalen Vermögensportfolios für Luxus-Investitionen vorgesehen sind, würde sich dies 2018 auf insgesamt rund 1,74 Billionen USD an Kunst- und Sammelvermögen des Gesamtvermögens der UHNWI belaufen" (Deloitte, 2019). Noch wichtiger ist, dass die Kunst einen wachsenden Anteil des Gesamtvermögens der UHNWI ausmacht. Im Jahr 2019 gaben 84% der befragten Vermögensverwalter an, dass ihre Kunden Kunst in ihrem Portfolio haben.

Gegenüberstellung: Kunst und Börsenmarkt

Im Laufe der Jahre wurden mehrere Indizes entwickelt, um einen Ausblick auf die Performance von Kunst im Vergleich zu anderen Anlageklassen zu geben. Einer davon ist der Mei Moses-Index, der die Kaufpreise desselben Gemäldes zu zwei verschiedenen Zeitpunkten (d.h. bei wiederholten Verkäufen) verwendet, um die Veränderung des Wertes einzigartiger Kunstwerke zu messen (The Sotheby's Mei Moses Indices, 2020). 

In jüngerer Zeit ist im Bereich der Investitionen der Begriff des "Blue-Chip-Künstlers" entstanden, um zwischen Kunstwerken zu unterscheiden, von denen man annimmt, dass sie "investment grade" sind. Genauer gesagt nimmt die Blue-Chip-Kunst ihren Namen von der Börse und bezeichnet jede Kunst, von der unabhängig von den allgemeinen wirtschaftlichen Bedingungen eine Wertsteigerung erwartet wird (Seaside Art Gallery, 2020). Blue-Chip-Künstler sind diejenigen, deren Kunst seit Jahren konstante Verkaufszahlen vorzuweisen hat, die bei Auktionen bestätigt wurden. 

Der Artprice100 ist ein von Artprice entwickelter Index, der die 100 Künstler mit der besten Leistung bei Auktionen innerhalb der letzten 5 Jahre erfasst und einen gewichteten Index entwickelt, um die Leistung von Blue-Chip-Kunst zu zeigen. Betrachtet man die Leistung von Bluechip-Kunst in den letzten 18 Jahren, so haben Werke dieser Künstlergruppe, die die höchsten Preise erzielen und über die größte Sammlerbasis verfügen, einen unglaublichen Wertzuwachs erfahren und den S&P 500 um über 250% übertroffen (Artprice, 2020).

Auch der artnet-Index für die Top 100 Künstler ergab zwischen 2000 und 2018 eine Compound Annual Growth Rate (CAGR) von 8%, verglichen mit 3% für den S&P 500. Zwischen Januar 2000 und Oktober 2018 wiesen die artnet-Kunstmarktindizes eine positive CAGR zwischen 2 Prozent und 9 Prozent für die verschiedenen Sammelkategorien auf (Deloitte, 2019).

Neben der Attraktivität der Renditen im Vergleich zum S&P 500 spielt die Diversifizierung eine Schlüsselrolle bei der Steigerung der Nachfrage nach Kunst als Anlageform. Renneboog und Spaenjers (2013) fanden beispielsweise eine leicht inverse Beziehung zwischen Kunst und dem S&P 500 mit einem Korrelationskoeffizienten von (0,03) und einer positiven Korrelation mit dem globalen Aktienmarkt von 0,20 (mittel). Außerdem: "Während der S&P 2018 um 5,1% zurückging, kehrte der Kunstmarkt um 10,6% zurück" (Tokenization of Alternative Assets: Artwork, 2020). 




Referenzen:

Artprice, 2020. Artprice Launches Its “Blue-Chip” Art Market Index, Artprice100®, Designed For Financiers And Investors. 

Deloitte, 2019. Art & Finance Report 2019.

Medium. 2020. Tokenization Of Alternative Assets: Artwork.

Renneboog, L. and Spaenjers, C., 2013. Buying Beauty: On Prices and Returns in the Art Market. Management Science, 59(1), pp.36-53.

Seaside Art Gallery, 2020. What Is Blue Chip Art?. 

Sotheby's. 2020. The Sotheby's Mei Moses Indices.