Wirtschaft

Die Gewinner der Krise und die Risiken für die freie Marktwirtschaft

Nach dieser schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte werden Investoren ihre Strategien überdenken und gerade Privatanleger ihren Fokus vermehrt auf den Vermögenserhalt und weniger volatile Assets legen. Die Folgen auf die freie Marktwirtschaft durch Staatseingriffe bleiben abzuwarten. Für einen gelungenen Neustart brauchen wir aber auch Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen.

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Es ist Zeit umzudenken – die Corona-Krise hat bereits und wird langfristig unseren Alltag und unsere Anlagestrategien signifikant verändern. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im ersten Vierteljahr 2020 gegenüber dem Vorquartal um 2,2 Prozent. Der Einbruch zum Jahresanfang war der stärkste Rückgang im Quartalsvergleich seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 und der zweitstärkste seit der deutschen Wiedervereinigung. Schon Ende Q1 befanden wir uns somit in einer „technischen Rezession“, da die deutsche Wirtschaftsleistung bereits im Schlussquartal 2019 gegenüber dem Vorquartal um 0,1 Prozent zurückging. 

Das Schlimmste ist jedoch noch nicht überstanden: „Die Wirtschaftsleistung dürfte nochmals erheblich niedriger ausfallen als im Durchschnitt des schon gedrückten ersten Vierteljahres", hieß es im jüngsten Monatsbericht der Deutschen Bundesbank. Diverse Prognosen im Markt gehen von einem Einbruch des deutschen BIP um bis zu 14 Prozent aus. Obwohl die Regierung mit einem Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte rechnet, wird die Corona-Krise zur schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte. Wer jetzt nicht seine Anlagestrategie überdenkt, wird einen tiefen Einbruch in den nächsten sechs bis 18 Monaten erleben. 

Noch vor der Krise lag der Fokus bei den meisten Privatanlegern auf dem Erzielen einer signifikanten Überrendite. Durch die Krise haben viele Anleger endlich wieder den Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko verstanden. In Zukunft wird es eine erhöhte Nachfrage nach weniger volatilen Kapitalanlagen, die einen realen Wert haben und/oder eine negative Korrelation zum Aktienmarkt, geben. Insbesondere werden Core-Wohnimmobilien, Edelmetalle als auch Infrastrukturprojekte Zufluss an Investorengeldern erhalten. Privatanleger werden vermehrt ihren Fokus auf den Vermögenserhalt legen. Zugleich wird die Nachhaltigkeit einer Kapitalanlage wichtiger. Die Anlagemotivationen der Generation Greta wurden durch die Corona-Krise weiter beflügelt. 

Zuletzt werden Technologie-getriebene Unternehmen, die einen wirklichen Mehrwert bieten, Gewinner der Krise sein. Andere Unternehmen werden an starken Wachstumsschwierigkeiten leiden. Deutschland wird ebenfalls eine Art Staatskapitalismus etablieren. Dieser wird sich stark an den von Frankreich anlehnen und sogar vom Erfolg Chinas beeinflusst sein. Unsere Kanzlerin wird den Beamten in Berlin neue Befugnisse geben, um in die Wirtschaft einzugreifen: Sie werden Gewinner und Verlierer auswählen, neue Industrien säen und nationale Champions aufstellen. Der Kauf von Unternehmensbeteiligungen wird kein Tabu mehr sein. Der Fokus auf ein ausgeglichenes Haushaltssaldo wird gemindert, um die volle Kraft der deutschen Bilanz freizusetzen. 

Ein exemplarischer Vorfall ist die noch von den Aktionären zu genehmigende neun Milliarden Euro schwere Rettungsaktion der Lufthansa AG. Die Auswirkungen auf die freie Marktwirtschaft durch die aktivistische Strategie des Staates bleibt abzuwarten. In meinen Augen kann Deutschland und die EU nur einen erfolgreichen Neustart erzielen, wenn sowohl die großen als auch kleine und mittelständische Unternehmen eine gleiche Unterstützung erhalten. Einen Zusammenbruch des Mittelstands hätte langfristige negative Auswirkungen auf das Wachstum der deutschen Wirtschaft.

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