Pflegemarkt Deutschland: Zwischen Insolvenzen und Investment-Chancen

Wer schon einmal in der Situation war, in Deutschland einen Pflegeplatz für Angehörige suchen zu müssen, der weiß: Die Zimmer sind knapp und teuer. Natürlich variieren die Kosten und Verfügbarkeiten je nach Region, doch aufgrund des demografischen Wandels und leerer Kassen ist jetzt schon klar, dass sich die Lage auf dem Pflegemarkt weiter zuspitzen wird. Erfahren Sie, welche Herausforderungen damit verbunden sind, und warum die prekäre Lage auf dem Pflegemarkt neue Chancen für Investoren eröffnet.
Pflege in Deutschland: ein Notfall
Der Pflegemarkt in Deutschland ist ein wirtschaftlicher, politischer und sozialer Notfall. Denn auf immer mehr Pflegebedürftige treffen immer weniger Pflegeplätze - und die verfügbaren Zimmer in Heimen werden noch dazu immer teurer. Laut Statistischem Bundesamt waren Ende 2023 rund 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig, und diese Zahl wird bis 2035 auf etwa 6,3 Millionen und bis 2055 auf rund 7,6 Millionen ansteigen.
Etwa vier von fünf Pflegebedürftigen in Deutschland werden zwar zu Hause versorgt. Doch für die Verbleibenden ist ein Platz im Heim keineswegs gesichert. Zum einen, weil die wirtschaftliche Lage vieler Pflegeheime desolat ist. Zum andern, weil der Personalmangel die Versorgung erschwert. Beide Faktoren führen außerdem zu steigenden Kosten: Anfang 2025 mussten Pflegebedürftige durchschnittlich 2.984 Euro pro Monat für einen Heimplatz zahlen. Trotz Erhöhungen der Pflegeleistungen zu Beginn des Jahres konnten diese Kosten nicht vollständig von der Kasse übernommen werden, was viele Bedürftige und deren Familien vor erhebliche finanzielle Belastungen stellt.
Der zukünftige Bedarf an Pflegeplätzen ist aber dennoch enorm, da viele Familien die Pflege durch Angehörige einfach nicht leisten können oder wollen. Prognosen zufolge werden deshalb bis 2040 etwa 322.000 zusätzliche stationäre Pflegeplätze benötigt. Um diesen Bedarf zu decken, sind Investitionen von 81 bis 125 Milliarden Euro erforderlich.
Angesichts der finanziellen Herausforderungen in Kombination mit dem demografischen Wandel muss Deutschland dringend Maßnahmen ergreifen, um die Pflegefinanzierung und die dafür nötige Infrastruktur langfristig zu sichern. Ob die neue Bundesregierung hierzu konstruktive Vorschläge hat, bleibt abzuwarten. In einem Sondierungspapier von Union und SPD heißt es lediglich: “Die Gesundheitsversorgung muss für alle gesichert bleiben. Wir wollen eine große Pflegereform auf den Weg bringen. Wir stehen für eine bedarfsgerechte Krankenhausversorgung in der Stadt und auf dem Land.“
Insolvenzen im Pflegesektor nehmen zu
Bedarfsgerecht ist die stationäre Pflege in vielen Regionen aber schon lange nicht mehr. Allein 2023 mussten in Deutschland 1.097 Pflegeeinrichtungen schließen oder ihr Angebot einschränken. 130 Einrichtungen meldeten eine bereits eingetretene oder drohende Zahlungsunfähigkeit, während es im Vorjahr nur 26 waren. Im vergangenen Jahr sind 5.596 vollstationäre und knapp 16.000 ambulante Plätze verloren gegangen.
Die Gründe für die zunehmende Zahl an Insolvenzen sind vielfältig. So belasten beispielsweise steigende Kosten für Energie und Personal die Einrichtungen erheblich. Zudem sorgt die gesetzlich vorgeschriebene Tarifbindung für steigende Personalkosten, die nicht immer vollständig refinanziert werden können. Ein weiterer Faktor ist der Fachkräftemangel, der zu einer erhöhten Inanspruchnahme von Leiharbeit führt, was die Kosten weiter in die Höhe treibt.
Konsolidierung eröffnet neue Marktchancen
Trotz der Herausforderungen gibt es auch positive Entwicklungen im Pflegemarkt. Während große Betreiber wie DOREA und Hansa im Rahmen von Insolvenzen ihr Portfolio verkleinert haben, konnten andere durch Zukäufe wachsen und stärken so ihre Marktposition. So hat beispielsweise die Alloheim Senioren-Residenzen SE die Führung unter den größten Pflegeheimbetreibern übernommen und Korian Deutschland GmbH von der Spitze verdrängt. Trotz der Herausforderungen im Pflegemarkt zeigen viele der großen Betreiber also weiterhin Wachstumsbestrebungen. Die Konsolidierung des Marktes scheint sich fortzusetzen, wobei gleichzeitig neue Akteure an Bedeutung gewinnen. Für die Zukunft bleibt allerdings abzuwarten, wie sich die geplanten, neue Pflegeheime auf die Marktstruktur auswirken werden und ob der Trend zur Konsolidierung anhält.
Für private Investoren ergeben sich durch die aktuellen Marktveränderungen jedoch attraktive Einstiegsmöglichkeiten, denn ohne neue Finanzierungsmodelle droht ein Pflegenotstand. Zumal Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein die Objektförderung in den vergangenen Jahren zusammengestrichen haben. Nur noch in Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen und dem Saarland werden Pflegeimmobilien öffentlich gefördert.
Privates Eigenkapital zur Verbesserung der Pflegesituation ist also nahezu unausweichlich. Investitionen in Pflegeimmobilien können jedoch eine Win-win-Situation für Anleger und den Pflegemarkt darstellen. Denn Pflegeimmobilien bieten Investoren stabile und langfristige Einnahmen, da Mietverträge oft über 20 Jahre mit Betreibern geschlossen werden. Die Renditen liegen dabei je nach Standort und Betreiberbonität zwischen 4 % und 6 % pro Jahr. Dazu kommt: Pflegeimmobilien sind kaum von der Konjunkturlage abhängig, da die Nachfrage nach Pflegeobjekten aufgrund des demografischen Wandels noch stärker steigen dürfte.
Interessierte Privatanleger sollten sich vorab jedoch gründlich informieren. Zum Beispiel über den Standort, eventuell anstehende Modernisierungskosten und die Betreiberfirma des Objekts. Das kann eine enorme Herausforderung darstellen, denn der Pflegeimmobilienmarkt kennt eigene Spielregeln. Die bald startende Beteiligungsmöglichkeit Bad Lauterberg könnte genau in diese Nische passen.