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Was sind Flash Crashes? Kurseinbrüche aus heiterem Himmel!

Was sind Flash Crashes? Kurseinbrüche aus heiterem Himmel!

FINEXITY
4 Minuten 
gelesen
May 19, 2023

Flash Crash: Definition und Ursachen

Unter einem Flash Crash versteht man einen plötzlichen und drastischen Kurseinbruch bei Aktien, Rohstoffen oder anderen Finanzinstrumenten, gefolgt von einer ebenso raschen Erholung. In der Regel ist dieses “Schauspiel” innerhalb von Minuten oder sogar Sekunden vorbei. Kennzeichnend für Flash Crashes sind also ihre Schnelligkeit und die extreme Volatilität, die sie auf dem Markt auslösen.

Die Ursachen für Flash-Crashes können vielfältig sein. Zu den möglichen Gründen zählen z.B. technische Probleme, der Hochfrequenzhandel, menschliches Versagen oder Kursmanipulationen.


  • Technische Probleme:

Der weltweite Börsenhandel stützt sich heute viel stärker als früher auf elektronische Handelscomputer. Diese führen Käufe und Verkäufe automatisch auf Grundlage bestimmter Regeln (Algorithmen) aus. Die zunehmend wichtige Rolle von Computern beim Traden ist eine der Hauptursachen für das Auftreten von Flash-Crashes. Zum Beispiel sorgen sogenannte Software-Glitches manchmal dafür, dass die durchschnittlichen Marktdaten nicht effektiv zwischen den Börsenplätzen ausgetauscht werden, weshalb ungenaue Kurse auf ein Wertpapier übernommen werden. Auch das unkorrekte Runter- bzw. Hochfahren der Systeme kann zu einem Flash Crash führen. Dies war beispielsweise im Januar 2023 an der Wall Street der Fall.

  • Hochfrequenzhandel:

Vor dem historisch ersten Flash Crash 2010 waren Börsengewitter ein relativ unbekanntes Phänomen, da diese erst mit der Einführung des Hochfrequenzhandels auftraten. Durch den automatisierten Handel und dessen Algorithmen kann ein Dominoeffekt ausgelöst werden. Computer reagieren umgehend auf erste Abweichungen im Markt, in dem sie automatisch große Mengen an Wertpapieren verkaufen. Dies wiederum drückt die Kurse noch tiefer nach unten und löst mit sinkendem Kurswert weitere Algorithmen aus. Interessanterweise sind dieselben Tradingsysteme bei der anschließenden Konsolidierung ebenfalls ausschlaggebend. Denn natürlich gibt es auch Algorithmen, die einen Kauf auslösen, sobald der Kurs eines Wertpapiers unter eine bestimmte Marke gefallen ist. Sobald diese Algorithmen den Kaufauftrag für ein Finanzprodukt auslösen, ist das Gleichgewicht relativ schnell wieder hergestellt.


  • Kursmanipulationen: 

Beim inzwischen illegalen Spoofing konnten Börsenhändler dank Algorithmen und dem Hochfrequenzhandel Börsenkurse zum eigenen Vorteil manipulieren, indem sie eine hohe Order platzierten, diese aber automatisch und blitzschnell wieder zurückzogen. Einen so manipulierten Wert konnten die Spoofer dann zu ihren Gunsten verkaufen oder kaufen, bevor die Kurskorrektur einsetzte. Eine Kursmanipulation dieser Art hat beispielsweise den ersten Flash Crash im Jahr 2010 ausgelöst.


Wie oft kommen Flash Crashes vor?

Das Phänomen Flash Crash wurde erstmals im Jahr 2010 benannt, als der Dow Jones am 06. Mai innerhalb kürzester Zeit um mehr als 1000 Punkte gefallen ist – der bis dato größte Kursverlust an einem Tag im Index. Innerhalb von zehn Minuten wurden im Aktienhandel fast 1,3 Milliarden Wertpapiere umgesetzt, was in etwa dem Sechsfachen des durchschnittlichen Handelsvolumens entsprach. Viele Aktien verloren innerhalb von Sekunden einen Großteil ihres ursprünglichen Kurswertes; manche bis zu 99 Prozent. Schätzungen zufolge vernichtete dieser Flash Crash kurzzeitig eine Billion US-Dollar. Erst Jahre später fanden Ermittler heraus, dass ein einzelner Trader aus London diesen Flash Crash mit computergestützter Kursmanipulation durch Spoofing ausgelöst hatte.

Am 7. Oktober 2016 gegen 01:00 Uhr MESZ kam es nach monatelangen Brexit-Verhandlungen an den asiatischen Devisenmärkten zu einem plötzlichen Einbruch des britischen Pfunds. Das Pfund fiel innerhalb weniger Minuten um bis zu zehn Prozent gegenüber dem US-Dollar. Kurz darauf erholte es sich wieder, notierte aber immer noch etwa 1,5 Prozent im Minus.

Im Februar 2023 folgte ein weiterer Flash Crash an der Wall Street. Der Unterschied zu 2010 war jedoch, dass nicht der Gesamtindex, sondern viele, einzelne Aktien davon betroffen waren. Darunter vor allem Schwergewichte wie Walmart oder Wells Fargo, die zwischenzeitlich zweistellig an Wert verloren haben. Die Ursache dieses Flash Crashes war menschliches Versagen. Weil das Backup-System in Chicago nach dem Handelsende nicht wie üblich heruntergefahren und neu gestartet wurde, sondern über Nacht weiter lief, behandelten die Computer der Börse die Eröffnung um 9:30 Uhr als einfache Fortsetzung des Handels an der Wall Street. Sie übersprangen die Eröffnungsauktion, die normalerweise die regulären Anfangspreise bestimmen und lösten Orders zu allen möglichen Preisen aus.

Wie sollten Anleger auf Flash Crashes reagieren?

Flash Crashes sind besorgniserregend, weil sie die Marktstabilität stören, das Vertrauen der Anleger untergraben und die Schwachstellen stark vernetzter und automatisierter Handelssysteme aufzeigen. Aufsichtsbehörden und Marktteilnehmer haben deshalb inzwischen Maßnahmen ergriffen, um das Risiko von Flash Crashes zu mindern.

Die US-amerikanische Aufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) implementierte beispielsweise infolge des ersten Flash Crashes 2010 sogenannte Circuit Breaker, die bei großen Kursbewegungen den Handel automatisch unterbrechen. Für kleinere Aktien gilt eine Schranke von zehn Prozent Kursverlust, für größere Aktien gilt ein Kursrutsch von drei Prozent.

Für langfristig orientierte Privatanleger, die sich nicht von temporären Ereignissen zu unüberlegten Verkäufen hinreißen lassen, sind Flash Crashes eigentlich ohne Bedeutung, da die Verluste relativ schnell wieder kompensiert werden. Für Daytrader können Blitzcrashs dagegen hohe Risiken, aber auch Chance auf Schnäppchen bergen. Auch automatische Schutzmechanismen wie eine Stop-Loss-Order, bei der eine Verkaufsorder zu einem vorher definierten Kurs ausgeführt wird, um Verluste zu begrenzen, können im Falle eines Flash Crashs nachteilig betroffen sein. Beispielsweise, wenn dieser die Stop-Loss-Order triggert, obwohl der Kurs wenige Minuten später wieder steigt.

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