Wo bunkern die Deutschen ihr Geld?

Es ist gemeinhin bekannt, dass die Deutschen Risiko meiden. Besonders wenn es ums Sparen und Investieren geht, sind die Deutschen im europäischen Vergleich ultrakonservativ. Zwar bedeutet die deutsche Risikoaversion beim Sparen nicht, dass wieder Socken mit Bargeld zu Hause versteckt werden, doch für den privaten Vermögensaufbau ist das deutsche Investitionsmisstrauen pures Gift. Wo genau die Deutschen ihr Geld bunkern und welche besseren Alternativen du unbedingt bedenken solltest, erfährst du hier!

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Bargeldland Deutschland

Es gibt heutzutage so viele Möglichkeiten, bargeldlos zu zahlen: EC-Karten mit Touch-and-Pay, Kreditkarten, oder völlig kontaktloses mobiles Zahlen über PayPal und Google Pay per Smartphone. Einige Geschäfte akzeptieren sogar Kryptowährungen wie Bitcoin. Man müsste eigentlich annehmen, dass das Zeitalter des Bargelds sich langsam dem Ende nähern würde. Nicht so in Europa und vor allem nicht in Deutschland. Denn die risikoaversen Deutschen lieben ihr Bargeld und horten es, wo sie nur können. Die Bundesbank geht davon aus, dass die Hortungsbestände in Deutschland bei etwa 150 Milliarden Euro liegen. Wie viel Bargeld das tatsächlich ist, kannst du dir so vielleicht besser vorstellen: 150 Milliarden Euro in bar bedeutet, dass jeder der 82 Millionen Einwohner Deutschlands – also auch jedes Baby, jeder Grundschüler, jeder Teenager und jeder Rentner – etwa 1.830 Euro zu Hause gebunkert hat. 

Die Deutschen lieben ihr Bargeld sogar so sehr, dass das Bargeldvolumen hierzulande jedes Jahr wächst. In keinem anderen Land der EU ist das der Fall. Tatsächlich steigt das Bargeldvolumen in der gesamten EU einzig und allein deswegen, weil Deutschland so viel neues Bargeld in Umlauf bringt. Die konservativen Deutschen fühlen sich eben am sichersten, wenn sie jederzeit über ihr Geld verfügen können. Nach der letzten Weltfinanzkrise von 2008 ist das Misstrauen vieler Deutscher gegen die Banken immer noch so groß, dass Bargeld als sicherer eingeschätzt wird.

Das Geld schläft auf den Konten

Natürlich haben die Deutschen aber nicht ihr gesamtes Vermögen bar zu Hause liegen. Eine der bevorzugtesten Arten der Deutschen Sparer, Geld zu bunkern, ist immer noch das Bankkonto. Auf Sparbüchern und Girokonten liegen schätzungsweise 2,3 Billionen Euro. Dieser enorm hohe Betrag kommt vor allem dadurch zustande, dass die Deutschen nach wie vor zu den Top-Sparern in Europa gehören. Die Sparquote liegt bei etwa 10 %, was bedeutet, dass Deutsche rund ein Zehntel ihres monatlichen Nettoeinkommens sparen. 

Doch Sparen ist nicht gleich Sparen. Wenn du einfach nur durch Konsumverzicht Geld sparst und auf deinem Konto liegen lässt, mag sich zwar der Geldbetrag leicht erhöhen, aber du bildest kein Vermögen. Ganz im Gegenteil: Durch die Nullzinspolitik geben die Banken im Schnitt etwa 0,2 % Zinsen pro Jahr auf angespartes Geld. Die Inflation, also die Erhöhung des Preisniveaus wirtschaftlicher Güter und Waren, steigt ebenfalls jährlich an. Zurzeit liegt die Inflationsrate bei geschätzten 1,4 %. Für die Deutschen bedeutet das ganz real betrachtet, dass das Geld, was sie auf Sparbüchern und Girokonten bunkern, jedes Jahr 1,2 % an Kaufkraft verliert. Experten nennen dieses Phänomen Vermögensvernichtung. Das klingt harsch, trifft den Nagel aber auf den Kopf. Wer Bargeld hortet und auf Konten schlummern lässt wie die Deutschen, trägt nicht zur Vermögensbildung bei, sondern vernichtet es effektiv.

Vermögensbildung durch Investitionen

Was lernen wir also aus diesem ernüchternden Überblick? Geld so zu bunkern wie die Deutschen, ist die schlechteste Option bei der Vermögensbildung. Konten bringen dank Nullzins keine Renditen mehr und die Inflation führt zum Kaufkraftverlust des gehorteten Geldes. Wenn du Vermögen bilden willst, musst du dich von überholten deutschen Tugenden des harten Sparens und Konsumverzichts trennen und endlich anfangen, klug zu sparen. Investiere dein Erspartes clever und profitiere von höheren Renditen. Investitionen in Aktien, Fonds und Immobilien stellen die besten Möglichkeiten für dich dar, Vermögen zu bilden. 

Kluges Sparen kann dabei so einfach sein. Während die Deutschen sparen, indem sie den Gürtel enger schnallen und auf Verzicht umstellen, lassen beispielsweise Spanier ihre Kapitalanlagen für sich arbeiten. Immobilienbesitz und Investitionen in Immobilien sind in Spanien und anderen Ländern der EU wesentlich höher als in Deutschland. Nicht nur ist der private Immobilienbesitz in Spanien im Vergleich zu Deutschland höher, sie sind generell risikofreudiger und investieren ihr Erspartes viel eher in Aktien. Etwa 22 % der Portfolios spanischer Haushalte besteht aus Aktieninvestments, während es in Deutschland lediglich 7 % sind. Wer investiert, bildet langfristig Vermögen und muss dabei nicht einmal auf Konsum verzichten.

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