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Leuchtender Neuanfang in den 1950er-Jahren: Die Künstlerbewegung ZERO trifft den Puls der Zeit

ZERO steht für die Stunde Null der Kunst. Ein konsequenter Bruch mit bestehenden Konventionen und Traditionen weckt neuartige Konzepte und ästhetische Überlegungen, in denen Licht, Struktur und Bewegung dominieren. Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker stellten Ende der 1950er- bis Mitte der 1960er-Jahre die Grundsätze der Kunst in Frage und wagten Neues. Damit schufen sie eine der bedeutendsten Avantgardebewegungen des 20. Jahrhunderts, erneuerten das Kunstverständnis und stoßen bis heute weltweit auf positive Resonanz.

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Alles auf Anfang: Kulturelles Vakuum erfordert Neuanfang

Vereint durch die gemeinsame Überzeugung, dass in der deutschen Nachkriegszeit grundlegende Veränderung notwendig sei, schließen sich Heinz Mack und Otto Piene im Jahr 1957 zusammen – die Düsseldorfer Kunstbewegung ZERO ist geboren. 1961 stößt Günther Uecker dazu.

Gemeinsam stehen sie für einen zuversichtlichen Blick in die Zukunft und den Geist des Fortschritts-Optimismus. Sie wagen eine experimentelle Annäherung an die Kunst und ergründen neue Arten des Schaffensprozesses. Gleichzeitig steht ZERO Anfang der 1960er-Jahre für eine politische Haltung: Die Nachkriegsgesellschaft müsse sich, ebenso wie die Nachkriegskunst, vom Ballast befreien. Und das kulturelle, aber auch gesellschaftliche Vakuum, geschaffen durch die zerstörerischen Kräfte des Krieges, müsse mit Zuversicht gefüllt werden. Technische Errungenschaften und die moderne Zivilisation werden dabei als Grundlage für einen optimistischen Blick in die Zukunft verstanden.

Öffentlich sichtbar und wirksam wird ZERO Ende der 1950er-Jahre durch eine Reihe von Ausstellungen und Vorträgen in Düsseldorf, sowie den gleichnamigen Ausstellungskatalogen ZERO 1 bis 3. Weitere wichtige ZERO-Ausstellungen in Deutschland und Europa folgen. Zentrales Anliegen für die Gründungsmitglieder sind hierbei die gemeinsame Erfahrung der Kunst, der interkulturelle Austausch und die gegenseitige Inspiration.

Licht und Bewegung als zentrale Leitmotive der Kunst

In ihrer Erscheinung lässt sich die ZERO-Kunst nicht in eng definierte Muster oder Gattungen drücken – vielmehr lässt sie die Grenzen zwischen Malerei, Bildhauerei, Objektkunst und Installationen verschwimmen. Gleichzeitig hat sich jedes Gründungsmitglied einen ganz individuellen, charakteristischen Stil bewahrt: Heinz Mack ist bekannt für seine lichtreflektierenden Arbeiten aus Metall, Piene konzentrierte sich auf die Wirkkraft der Farbe und Günther Uecker machte seine einzigartige Nagelkunst zum Erkennungsmerkmal.

Verbundenheit und Parallelen findet man in den zugrundeliegenden Motiven, sowie dem gemeinsamen Kunstverständnis: Alle drei bedienen sich elementarer Materialien wie Feuer, Wasser, Glas oder Metall als Werkstoffe und begreifen Kunst nicht als Werk, sondern als Gestaltung. Im Sinne der kinetischen Kunst sehen Mack, Piene und Uecker Bewegung als integralen ästhetischen Bestandteil eines jeden Kunstobjekts. Dabei gilt es optische Phänomene und Luftbewegungen sichtbar zu machen, um so die bewusste Wahrnehmung des Betrachters zu erweitern – Bewegungen sollen Sinnlichkeit mit Rationalität verbinden. Ein weiteres zentrales Gestaltungsmotiv der ZERO-Gruppe ist Licht. Ganz direkt im wörtlichen Sinne, aber auch im metaphorischen und philosophischen – als Sinnbild der Hoffnung und Zuversicht.

ZERO steht für neuartige Prinzipien und Ideen, in denen permanentes Experimentieren mit Material, Bewegung und Licht das tradierte Kunstverständnis überwinden und eine neue, puristische Ästhetik schaffen. Damit prägte die Gruppe ein neues Kunstverständnis und beeinflusste die optische Kunst (Op-Art) der 1960/70er-Jahre: Geometrische Farbfiguren, die durch optische Täuschungen die Vorstellung von Bewegung erzeugen. 

Neben dem künstlerischen Schaffen im Atelier zeichnete ZERO sind durch gemeinsame Aktionen und den Austausch mit anderen Künstlern aus. Die einflussreichsten Künstler, die neben den festen Mitgliedern Mack, Piene und Uecker mit der ZERO-Bewegung assoziiert werden, sind Hans Salentin, Lucio Fontana, Yves Klein, Piero Manzoni und Jean Tinguely.

“Ich esse ZERO, ich trinke ZERO, ich schlafe ZERO, ich wache ZERO, ich liebe ZERO. ZERO ist schön.” 

- Auszug, ZERO-Manifest (1963)

An futuristische Proklamationen erinnernd, erscheint 1963 das ZERO-Manifest. 1966 löst sich ZERO im Rahmen einer großen Feier in Düsseldorf auf: Über tausend Menschen ziehen mit einem brennenden Wagen Richtung Rhein und lassen ihn dort in den Fluten versinken. Sie feiern gemeinsam die Befreiung und das Licht. Mack, Piene und Uecker beschreiben die Auflösung der Gruppe als natürliche Reaktion auf die Trennung ihrer künstlerischen und biografischen Wege.

Die ZERO-Bewegung ist damit allerdings keineswegs zum Erliegen gekommen: Die internationale Resonanz ist nach wie vor groß, die Suche nach neuen Wegen omnipräsent. Durch weltweite Anhänger bleibt der Einfluss von ZERO bis heute allgegenwärtig.

Mit einigen Gruppen arbeitet ZERO bereits während ihres Bestehens eng zusammen – wie beispielsweise mit der niederländischen Gruppe NUL. Andere arbeiteten parallel und ohne direkte Verbindung an vergleichbaren Motiven und Ansätzen, wie beispielsweise die japanische Künstlervereinigung Gutai. Auch Einzelkünstler, die mit Licht und Naturerscheinungen arbeiten, können auf ZERO-Einflüsse zurückgeführt werden. Hier sind insbesondere Olafur Eliasson, mit seinen physikalischen Phänomenen der Kunst, Dan Flavin  mit seinen Lichtinstallationen oder Tony Cragg mit dem Erschaffen von Skulpturen und Erlebnisräumen, zu nennen.

ZERO bleibt unsterblich: International vernetztes Zentrum und Stiftung sorgen für Erhalt der Kunst und Bewegung

Fünfzig Jahre nach der offiziellen Auflösung gründen Mack, Piene und Uecker im Jahr 2008 gemeinsam mit der Stiftung Museum Kunstpalast die ZERO foundation, als gemeinnützige Stiftung des öffentlichen Rechts.

Sie fungiert als international vernetztes Zentrum wissenschaftlicher Forschung zum Erhalt der ZERO-Kunst und Bewegung. Alle drei Künstler brachten zahlreiche Werke in die Stiftung ein, die nun weltweit ausgestellt werden. Mit dem Düsseldorfer ZERO-Haus hat die Kunstbewegung zudem ein festes Zuhause gefunden, in dem regelmäßig Vorträge, Filmvorführungen und Ausstellungen stattfinden. Wo Mack, Piene und Uecker Anfang der 60er-Jahre ihre Werke schufen und Piene ab 1975 bis zu seinem Tod im Jahr 2014 wohnte und arbeitete, ist 2018 die ZERO-Foundation mit ihrem Archiv eingezogen.

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